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Zum Dach der Welt, ein alter Kindheitstraum ging in Erfüllung.

Im Jahre 1959 flimmerten die Bilder, damals noch im Schwarz/Weiß-Fernsehen, vom Potala-Palast und der Vertreibung des Dalai-Lama um die Welt.

Ich weiß noch genau, wie ich damals vor dem Fernseher meiner Großmutter saß und fasziniert die Bilder des Potala-Palastes und seiner Umgebung sowie die Geschichte der Vertreibung des Dalai-Lama verfolgte. Bereits damals war ich von dem Potala-Palast so fasziniert, daß in mir der Wunsch aufkam, einmal in meinem Leben selbst dorthin zu fahren, um den Palast live sehen zu können. Und wie das mit alten Kindheitsträumen, die einem nicht loslassen ist, bleiben sie in einem hängen. So auch bei mir. Und dann kam der Zeitpunkt, wo mehrere günstige Faktoren aufeinander trafen, um den Traum verwirklichen zu können. So wollte ich nicht nur den Potala-Palast sehen, sondern auch das Hinterland, d.h. Tibet bereisen. 1994 lernte ich durch Zufall Elke und Andy von Tour Off Road kennen. Was Kurt, mich und diese verband, war der Wunsch, als Selbstfahrer durch Tibet zu reisen. Um diesen Gedanken in die Realität umzusetzen, war ein Stück harter Arbeit notwendig, welches vor allen Dingen Elke mit viel Geduld organisatorisch vorantrieb. Bekannt ist, daß man durch Tibet schon reisen kann, aber dann als geführte Tour und nur als Beifahrer, aber nie selbst als Fahrer am Steuer. Wir wollten nun selbst fahren, was bisher so gut wie noch niemand geschafft hatte. Wenn man die einschlägige Literatur, z. B. die Tours durchforstet, wird man feststellen, daß es kaum Berichte diesbezüglich gibt.

Nach langem Hin und Her wurde es tatsächlich Wirklichkeit. Im August letzten Jahres starteten wir in Frankfurt und flogen über Zürich nach Shanghai und von dort aus nach Chendu und Lhasa. In Shanghai hatten wir einen Tag Aufenthalt, so daß wir diesen nutzten, die Sehenswürdigkeiten anzusehen, so die bekannte Bond und den Hafen. Die Bond ist die große Flanierstraße am Hafen, wo die imposanten Bauten der 20-iger-Jahre stehen. Sie war Dreh- und Angelpunkt des Rauschgifthandels, und der damit verbundene Reichtum spiegelt sich in den luxuriösen Gebäuden wieder. Mittags speisten wir in einem vornehmen Restaurant, in welchem noch die gesamte großzügige Innenausstattung der 20-iger Jahre bestand, d. h. ein klassisches Restaurant im Art Deco-Stil. Die Stadt beeindruckt und erschreckt zugleich durch die krassen Gegensätze. Hier sieht man, wie die Moderne auf die noch restliche alte Baukultur prallt und Stück für Stück große Flächen der Altstadt dem Bulldozer zum Opfer fallen und nebenan eine Skyline wie New York entsteht. Als wir morgens in aller Frühe auf dem Weg zum Flughafen waren - es war kaum zu glauben - waren in den Straßen schon überall Menschen zu sehen, die Tai-Chi ausübten.

Unser Flug ging nun von Shanghai nach Chendu, ebenfalls eine alte chinesische Stadt. Den halben Tag Aufenthalt nutzten wir, um einen uralten chinesischen Tempel (Tempel der schwarzen Ziege und Palast des Herzogs Wu) aufzusuchen, sowie ein altes Teehaus in einem alten Park. Chendu liegt in einer Region in China wo es so warm ist, daß sogar zweimal im Jahr Ernte eingeholt werden kann. Auch wir hatten einen recht warmen und schönen Tag. Ich assoziierte Länder Südeuropas. In dem Park standen viele kleine Steintische mit jeweils 5 Sitzmöglichkeiten und diese waren alle gut belagert. Das Besondere war, daß an diesen Tischen jeweils 4 Leute in Spiele vertieft saßen. Neben sich die Teeflasche, spielten alle ruhig und leise zusammen, die meisten ein Art Mühlenspiel, andere auch Kartenspiele. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß es irgendwie auf mich, wie auch auf meine Mitreisenden, eine erdrückende Atmosphäre herüberbrachte. Hier war kein Lachen, kein Scherzen zu hören. An dieser Stelle will ich vielleicht noch berichten, daß außer Elke, Andy und Kurt noch einige Mitreisende, d.h. Bekannte von Elke und Andy mit von der Partie waren. Dies hat einfach praktische und finanzielle Gründe, da, wie schon bereits erwähnt, es so gut wie unmöglich ist, eine Erlaubnis als Selbstfahrer in Tibet zu erlangen. Diese hatten wir zwar erhalten; das bedeutete aber nicht, daß man ohne eine chinesische Begleitung in das innere Tibet reisen darf. Wir mußten somit zwei "Aufpasser" mitnehmen, welche in einem eigenen Auto mitkamen, da wir ja selbst alle fuhren. Und wie man sich vorstellen kann, bedeutet dies auch, daß man das alles mitfinanzieren muß. Hier sehen die Chinesen eine gute Geldquelle. Die beiden chinesischen Aufpasser begleiteten uns bereits hier, wobei es zum Vorteil war, daß sie fließend deutsch sprachen und uns einiges erklären konnten.

Mich interessierte nun doch im Park, was für eine Art Mühlenspiel die Leute spielten und wollte auch gerne einige Fotos mit nach Hause nehmen. So nutzte ich die Anwesenheit unserer deutsch sprechenden Chinesen und bat sie, einige der spielenden Chinesen anzusprechen, ob ich sie ablichten dürfe. Hier fand ich es erstaunlich, daß von den Chinesen überhaupt kein Interesse bestand, mit uns als Fremde Kontakt aufzunehmen. Es kam lediglich ein Nicken und sie spielten weiter und interessierten sich nicht für uns. Wenn ich mir so vorstelle, in einer ähnlichen Klimaregion wie Südfrankreich oder Italien Leute beim spielen anzusprechen, kämen sicher mehr emotionale Reaktionen, als hier von den Chinesen. Auch im alten Tee-Pavillion in diesem Park erlebten wir weiter, uns fremde Sitten. So wird zwar erzählt, aber nicht die Gelegenheit genutzt, tiefgreifende Gespräche zu führen, sondern es besteht die Möglichkeit, die auch Inländer viel nutzen, sich eine Nacken- oder Kopfmassage verpassen zu lassen, oder sich z.B. die Ohren putzen zu lassen. Hier kommt wirklich das alte Sprichwort zum Tragen: "Andere Länder, andere Sitten".

Unser Hotel lag mitten in der Stadt, so daß ein Bummel über den Markt noch gut möglich war, um mehr in den chinesischen Alltag abtauchen zu können. Am nächsten Tag ging es in der Frühe weiter von Chendu nach Lhasa. Dort steigt man dann in einer Höhe von 3.600 Meter bei glasklarer Luft aus dem Flieger und befindet sich wirklich in einer anderen Welt. Aufgrund der gebirgigen Situation liegt der Flughafen etwa 80 Kilometer außerhalb der Stadt Lhasa, umgeben von den Bergen des Himalaya. Als ich aus dem Flieger ausstieg, merkte ich gleich, daß hier die Luft dünner ist und es war ein absolut warmer klarer Sonnentag. Wir fuhren mit einem Bus in die Stadt, wobei wir - wie auch alle anderen - an einem in Stein gemeißelten Buddha, umgeben von vielen Gebetsfahnen, passierten und wie auch alle anderen erst einmal dort anhielten. Im Hotel, in der Stadt angekommen, machten Kurt und ich uns recht rasch auf den Weg in Richtung Potala-Palast. Die Luft war dünn und die Sonne knallte vom Himmel, so daß man in wahrsten Sinne spürte, wo man sich befand. Aber entschädigt wurde ich von dem wirklich beeindruckenden imposanten Bauwerk, was man nur schwer mit Worten beschreiben kann, von welchem eine wirkliche Faszination ausgeht.

Am nächsten Tag nahmen wir, wie verabredet, unsere Geländewagen - lauter Toyotas - in Empfang. Nach einer kurzen Proberundfahrt waren wir alle über den technischen Zustand der Autos entsetzt. Keine Handbremse ging, keine Bremse ging richtig usw..., so daß Diskussionen mit den uns begleitenden Chinesen entstanden und wir die Forderung aufstellten, daß alle Wagen noch einmal in die Werkstatt müßten. Den Rest des Tages nutzen wir dann zur Innenbesichtigung des Potala-Palastes, wo man immer wieder über die Innenmalereien, die Buddha-Figuren in verschiedenster Größe bis hin zu den Stupas aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Bis auf einen Dalai-Lama sind alle Dalai-Lamas in dem Potala-Palast bestattet. Deren Stupas in den verschiedensten Räumen sind von unterschiedlicher Größe. Da die Räume aber zum großen Teil nicht hell erleuchtet sind, sieht man oft die Spitze der Stupa überhaupt nicht mehr. Ein Highlight bei der Besichtigung ist, wenn man auf dem Dach des Potala-Palastes angekommen ist und eine Blick über die Stadt und die umgrenzenden Gebirgszüge hat. Beeindruckt hat mich, als ich in den Räumen, welche der letzte, jetzt noch im Exil lebende Dalai-Lama bewohnte, besichtigt. Der Führer erklärte, hier haben Dalai-Lama und Harrer gesessen und hätten viele Stunden verbracht. Man steht quasi in einem Museum und ist der Zeit entrückt und doch lebt diese Person, der Dalai-Lama noch. Auf der anderen Seite wirken die Räume wegen ihrer traditionellen Ausstattung wie aus einem anderen Jahrhundert. Wer den Film "7 Jahre in Tibet" gesehen hat, kann sich sicher noch an die Szenen erinnern, wo Harrer und der Dalai-Lama auf dem Dach des Palastes zusammen mit dem Fernglas Ausschau hielten.

Eine andere Sehenswürdigkeit in Lhasa ist ein uralter und für die Tibeter der heiligste Tempel in ganz Tibet, der Schokhang-Tempel. Im Gegensatz zum Potala-Palast, welcher nur noch ein Museum ist, wird der Schokhang-Tempel von Gläubigen in seiner Funktion genutzt. Hier trifft man noch Pilger, welche der Realität entrückt auf Händen und Knien zum Tempel pilgern. Das Innere des Tempels ist z. T. von dem Rauch geschwärzt und das leise Murmeln der Pilger und der Geruch der Butter-Lampen verbreiten eine Atmosphäre der Ruhe und der Weltabgewandtheit einerseits und andererseits doch eine gewisse Lebendigkeit.

Nach Besichtigungen der Umgebung und eines weiteren alten Klosters (Kloster Sera), konnten wir dann erneut unsere Geländewagen in Empfang nehmen. Inzwischen hielten wir alle unseren chinesischen Führerschein - wofür wir allerdings keine Prüfung, sonder nur eine finanzielle Entschädigung entrichten mußten - in den Händen.

Zu unserem Autotroß gehörte noch ein LKW, in welchem sich die Spritversorgung für unsere Reise befand, da es im Hinterland, wohin unsere Reise gehen sollte, keine Tankstellen mehr gibt. Im LKW war auch Platz für ein großes Küchenzelt, Ersatzteile und bereits von Deutschland hingeschickte Expeditionsnahrung. Für die Expeditionsnahrung hatten wir uns entschlossen, da klar war, daß es im Landesinneren keine Einkaufsmöglichkeiten gibt, und in letzter Minute alles in Lhasa für eine solche Reise zu kaufen, würde sich in der kurzen Zeit schwierig gestalten. Zusätzlich war von Vorteil, daß diese wenig Gewicht und Volumen hat.

Was von chinesischer Seite teils mißverstanden wurde, war Elkes Auftrag Wasserkanister zu besorgen. Anstelle von Wasserkanistern hatten sie einfach eine Menge Eimer gekauft. Die Vorstellung, Wasser in Kanistern abzufüllen, war ihnen scheinbar sehr absurd vorgekommen, wie sich auch später herausstellte.

Nun ging es endlich mit unserem Fahrzeugtroß los. Wir verließen Lhasa und hatten anfangs noch Teerstraße, wobei auch diese ihre Tücken haben. So kommt es z.B. häufiger vor, daß vor den kleinen Brücken plötzlich der Asphalt weg ist oder sich plötzlich ein großes Loch zwischen Straße und Brückenansatz auftat. Da unser Auto erst einmal einen sehr fitten und von der Motorleistung flotten Eindruck machte, war klar, daß wir am Schluß fuhren, weil bekannt ist, daß man immer wieder etwas schneller fahren muß, um den Anschluß nicht zu verlieren. So kam ich auf der Asphaltstraße mit einer Geschwindigkeit von 70-80 Kmh um die Kurve auf eine kleine Brücke zu und sah vor mir ein recht großes Loch. Mir schoß es durch den Kopf, mit dieser schlechten Lenkung mit so viel Spiel, habe ich wenig Chancen auszuweichen, d.h. hier ist es besser, noch die letzte Reserve an Geschwindigkeit herauszulocken, und mit möglichst viel Geschwindigkeit über das Loch zu springen, um nicht komplett mit dem Rad in das Loch hineinzufallen. Dies gelang mir auch nur hatte leider damit die Blattfeder eine gewisse Verformung erfahren. Dies bedeutete Blattfederreparatur. Nachher beichteten mir die anderen, daß sie ebenfalls z.T. in das Loch hineingefahren sind weshalb kurze Zeit später einer der anderen Toyotas mit Blattfederbruch hängenblieb und die nächste Reparatur anstand. Besser wurde es dann, als wir keine Asphaltstraßen mehr hatten, sondern nur noch Piste. Die hatte zwar ihre anderen Tücken, aber die Probleme, daß plötzlich Asphalt, Beton- und Brückenteile nicht existent sind, waren damit kein Problem mehr. Faszinierend ist auch, dann man, wenn man Lhasa verlassen hat, relativ rasch in die Gebirgswelt des Himalaya eintaucht und wir schon am ersten Tag die ersten Pässe von über 5000 m überwanden. Hier ist die Luft noch dünner, nicht nur für den Mensch, sondern auch für das Auto und es weht oft ein eisig-kalter Wind, obwohl um den Berggipfel herum wieder heiße Sonnenstrahlen vom Himmel strahlen. Auf den Bergpässen findet man dann immer jede Menge Gebetsfahnen, deren aufgedruckte Gebete vom Wind in alle Himmelsrichtungen getragen werden sollen. Beeindruckend ist, wie bei strahlend blauem Himmel und klarer dünner Luft der Blick trotz der Höhe weit schweifen kann und man sich in einer einzigartigen Bergwelt befindet. Unser erstes Etappenziel war Shigatse.

Auf dieser ersten Etappe stellte sich allerdings heraus, daß unsere Vehikel noch immer nicht die Grundsicherheit boten, d.h., daß die Bremsen weiterhin noch erhebliche Mängel aufzeigten und diverse andere Probleme an jedem Auto vorlagen. Nach erneuter Diskussion mit den Chinesen wurde beschlossen, einen weiteren Werkstatttag einzulegen. Wir fertigten für jedes Auto eine Mängelliste an und drei technisch Versierte aus unserer Gruppe blieben als "Kontrolleure" den ganzen Tag mit in der Werkstatt. Wir anderen genossen den Tag in Shigatse, schlenderten durch die Stadt und ließen tibetische Kultur auf uns wirken. Auch hier dieser, wie bereits zuvor in Lhasa, ist deutlich der chinesische Einfluß erkennbar, es stoßen zwei sehr verschieden Welten aufeinander. Wie bekannt ist, wurde Tibet 1959 durch die Chinesen besetzt. Im Rahmen dessen mußte auch damals der Dalai-Lama fliehen, Die chinesische Strategie ist, möglichst viele Chinesen in den tibetischen Städten anzusiedeln, um dadurch quasi Tibet zu unterlaufen. So sind z.B. viele Restaurants im chinesischen Besitz und so genossen wir auch in Shigatse unser Nachtessen bei einem Chinesen. Man sitzt an einem runden Tisch, in dessen Mitte ist eine drehbare Scheibe. auf diese werden zuerst immer eine Suppe, dann relativ rasch anschließend Reis, Gemüse, Fleisch usw. gestellt. Jeder bekommt ein Schälchen und Stäbchen und wer am schnellsten ist, bekommt die besten Happen. Wir machten die Beobachtung, daß in der Zeit, wo wir mit unseren deutschen Tempo noch am Essen waren, die zweite oder dritte chinesische Familie bereits am Nachbartisch speiste. Das Essen an den Nachbartischen erfolgte meist rasch und ohne große Tischgespräche wurde das Essen verdrückt. Ist ja auch klar, wer die besten Happen ergattern will, muß rasch essen und darf nicht schwätzen. Eine besondere Delikatesse wurde uns in Shigatse serviert: Frittierte Hühnerfüße. Hier bedarf es wohl eines chinesischen Geschmackes. Hier fällt mir nur der allgemeine Satz über die Chinesen ein, "die essen doch alles".

Nun ging es endlich nach erneuter Werkstattetappe weiter auf unsere Strecke. Ab jetzt lagen vor uns viele Pistenkilometer ohne größere Ortschaften. Als nächstes Ziel lag der Kailas, der heilige Berg, vor uns. Er ist sowohl den Hinduisten, den Buddhisten als auch den Anhängern der Bön-Religion, heilig. Aus diesem Grunde darf er nicht bestiegen werden. Es ist das Ziel jedes gläubigen Buddhisten oder Hinduisten, den Kailas zu Fuß zu umrunden. Auf der Piste trifft man gelegentlich auf offene Lastwagen, auf welchem sich eng gedrängt die Pilger, dick eingekleidet und mit vermummten Gesichtern, befinden. Die Zahl der Pilger, welche die Fahrt dorthin antreten, wird genau registriert und die Zahl wird jährlich begrenzt und festgelegt. Über landschaftlich schöne Strecken erreichten wir dann auch die Kreuzung der Pisten, welche von Lhasa und von Katmandu kommend aufeinandertreffen. Von Katmandu kommen öfter Touristen mit Fahrer und Geländewagen mit der Genehmigung, zum Kailas zu fahren. Neben dem Genießen der eindrucksvollen Landschaft beschäftigten uns die täglichen technischen Probleme und Reparaturen der Autos. Zur täglichen Routine gehörte das häufigere Säubern der Treibstoff-Filter und andere kleine technische Probleme. Das Betanken der Autos erfolgte per Schlauch aus Fässern, welche im Lastwagen geladen waren. Das Problem war, daß die Fässer innen rostig und älteren Datums waren. Somit war unser Treibstoff ständig mit Schmutzpartikeln versetzt, war zur Folge hatte, daß wir häufiger die Filter säubern mußten. Erstaunlich ist, wie in dieser Höhe das Wetter täglich mehrmals wechselte. Von Regen über Graupelschauer hin zu extremer Hitze und wieder eiskalter Wind. In einem Reiseführer hatte ich zuvor gelesen, daß man sich am Körper quasi auf der einen Seite einen Sonnenbrand und auf der anderen Seite Frostbeulen erwerben kann. Das klingt zwar absurd, aber in der Tat ist hier oben in der Höhe zwischen Schatten- und Sonnenseite ein extremer Temperaturunterschied, wie man ihn sich kaum vorstellen kann und wirklich erleben muß.

Nachdem wir nun die Städte hinter uns gelassen hatten, schlugen wir in dieser phantastischen Landschaft abends jeweils unser Zeltlager auf. Damit stand auch an, abends unsere Expeditionsnahrung zu kochen, wofür wir selbstverständlich Wasser benötigten. Wir hatten zwar Filter dabei, aber keine Wasserkanister mit sauberem Wasser. Unser erstes Nachtlager erfolgte an einer wirklich malerischen Stelle, an einem sich dahin windenden Bachlauf bei untergehender Sonne und in der Ferne auf den Steppenwiesen weidenden Jaks. Es dauerte nicht lange, da besuchten uns einige in der Ferne. zeltende Nomaden. Andere Nomaden trieben ihre Tier zusammen und zum Teil durch den kleinen Gebirgsfluß. Unsere chinesischen Begleiter schnappten sich jetzt die Eimer und holten aus dem kleinen Fluß, wo jetzt gerade zum Teil die Tiere durchgingen, das Wasser zum Tee und Essenkochen. Unsere Ungläubigkeit, dieses Wasser für den Tee und das Essen zu nehmen, traf auf großes Mißverständnis, und sie konnten nicht verstehen, daß wir das Wasser filterten. Sie nahmen sich dann von dem sauberen kochenden Wasser eine Menge für ihren Tee weg und füllten das ungefilterte Flußwasser nach. Wir konnten jetzt einerseits verstehen, daß sie keinen Kanister gekauft hatten, andererseits konnten wir nicht verstehen, daß wir das ungereinigte Wasser für unseren Tee oder unsere Speisen verwenden sollten. Deshalb entstand eine Diskussion und wir stellten immer ab diesem Zeitpunkt einen von uns ab, der überwachte, daß kein ungereinigtes Wasser einfach in die Wasserkessel nachgefüllt wurde. Mit den Tagen spielte sich das doch recht gut ein. Auch daß wir zuerst speisten und danach unsere chinesischen Begleiter, welche wohl offensichtlich nicht gerne mit uns zusammen gleichzeitig im Küchenzelt weilen wollten, sie wollten immer unter sich sein. Hier muß ich erwähnen, daß unsere zwei chinesischen Begleiter einen Status hatten, daß sie nicht selbst fuhren, sondern einen Fahrer hatten, welcher mit weißen Handschuhen immer am Steuer saß. Zusätzlich zu ihrem Fahrer hatten sie noch einen Koch und einen inländischen Arzt mitgenommen. Zu meinem bedauern sprach der tibetische Arzt leider kein Wort englisch und beherrschte nur die tibetische Sprache andererseits waren unsere chinesischen Begleiter auch nicht in der Lage -oder wollten es nicht - aus dem tibetischen mir einiges, was mich im medizinischen Bereich interessiert hätte zu übersetzen.

Was mich sehr erstaunte, war die sehr abwechslungsreiche Landschaft. Die breiten Täler auf einer Höhe von 4000-5000 m, aus welchen dann die Himalaya-Berge - die schneebedeckten 8000-der herausragen. Am heiligen Berg, dem Kailas, hatten wir leider das Pech, daß die sogenannte Midra, so sieht der obere Teil des Berges aus, etwas in Nebel gehüllt war. In dieser einsamen Landschaft trafen wir immer wieder auf Jaks und Nomaden, welche mit ihren beladenen Tieren von einem Weideplatz zum anderen zogen. Auch wurden wir von Nomaden in ihr Zelt zum Jak-Tee eingeladen. Dieser Tee, mit Jak-Butter aufgeschlagen, ist sicher nicht ein dem europäischen Geschmack entsprechendes Getränk. Da ich es einigermaßen schmackhaft fand, durfte ich auch einige Gläser meiner Mitreisenden genießen. Aus Gastfreundschaft wollten sie den Tee nicht abschlagen, so tauschten sie geschickt mein leeres gegen ihr volles Glas, ohne daß die Gastgeber es merkten. Aber nicht nur Berge und Weidelandschaft, auch karge Landschaft und erstaunlicherweise auch größere Sandflächen mit kleinen Sanddünen erwarteten uns. Manchmal mußte ich wirklich an Landschaften in Nordafrika und in der Wüste denken.

Bei einem anderen kleinen Dörfchen mußten wir notgedrungen wegen einer Autoreparatur wieder einmal einen etwas längeren Stop einlegen, wobei wir die Zeit nutzen konnten, ohne unsere chinesischen Begleiter den kleinen Tempelraum der Tibeter zu besichtigen, wobei dieser mehr einem großen Wohnraum und Versammlungsraum der Gemeinde ähnelte. Als der Tibeter sicher war, daß die Chinesen nicht direkt in der Nähe waren, holte er ein Kästchen aus seinem Schrank hervor und zeigt uns das Bild des Dalai-Lama. Hier ist sicher erwähnenswert, daß es den Tibetern verboten ist, ein Bild des Dalai-Lama aufzustellen. Als der Tibeter Schritte hörte und sich unsicher war ob evtl. Ein Chinese hereinkommen könnte, wurde das Bild schnell in das Kästchen zurückgelegt und das Kästchen wurde verstaut. In solchen Situationen spürt man deutlich die Spannung zwischen den Tibetern und den Chinesen.

Unsere gesamte Reisestrecke im tibetischen Hochland - überwiegend Piste - betrug gut 1.600km. Dabei bewegten wir uns in einer Höhe nicht unter 4000 m, aber wir überfuhren häufig Pässe von 5000 bis knapp 6000 m. Zweimal lag unser Nachtlager bei knapp 6000 m, wobei wir auch, obwohl es August war, aufgrund der entsprechenden Höhe Frost hatten. Dann erreichten wir wieder eine Region in dieser Höhe, wo es plötzlich nach Schwefeldampf roch, die Erde brodelte und sogar kleine Geisirfontänen aus der Erde emporstiegen. Die insgesamt gut 1600 km lange Strecke zeigte täglich, man könnte fast sagen stündlich, neue Landschaftsbilder, wie ich es wirklich nicht erwartet hatte. Dies ließ die ganzen Strapazen vergessen, denn hier gäbe es sicher noch viel von Reparaturproblemen und dergleichen zu berichten, aber die gigantische Landschaft und die Eindrücke, die ich mitgenommen habe, lassen das unangenehme dann doch in den Hintergrund treten. Es war sicher meine anstrengendste Reise, aber eine faszinierende Reise zum "Dach der Welt".

Ja, und beinahe hätte ich vergessen, was vielleicht die Strapazen ein bißchen wiederspiegelt, - man vergißt gerne das Unangenehme und behält nur noch das Gute im Gedächtnis - nämlich, daß bei Kurt und meinem Toyota plötzlich die gesamte Lenkstange weg brach und das Auto, das überhaupt nicht mehr lenkbar war, bei nicht mehr gut funktionierenden Bremsen einfach recht in den Graben fuhr. Wir hatten Glück im Unglück, daß es im Tal passierte und nicht oben am Paß, welche wir gerade überquert hatten.

Aber solche Situationen nahmen unsere chinesischen Begleiter relativ teilnahmslos auf, während ihr Fahrer, ein Mischling tibetisch chinesischer Abstammung, mir ganz kurz seine Hand auf den Rücken legte und mich anschaute. Das Gesicht vermittelte doch Teilnahme und die Freude, daß Kurt und mir nichts passiert ist. Dies war allerdings eine flüchtige Geste, die die Chinesen nicht bemerken sollten.

Die Mentalität der verschiedenen Völker, d.h. hier der Chinesen und Tibeter ist sicher sehr unterschiedlich und diese Erfahrung war auch eine wichtige, die ich mit nach Hause nehmen konnte.

             
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